25 Jahre Tschernobyl – Und jetzt Fukushima

Fünfundzwanzig Jahre sind seit der furchtbaren Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vergangen. Erst jetzt werden in Weißrussland, der Ukraine und in Russland die Langzeitfolgen des GAUs sichtbar.

 

Die Anzahl der als Folge von Tschernobyl dauerhaft Behinderten hat sich von 200 Personen in 1991 auf mehr als 91.000 im Jahr 2001 erhöht. Etwa 7 Millionen anerkannte Tschernobyl-Opfer haben Anspruch auf Beihilfen, Renten und bevorzugte medizinische Betreuung. Es gab viele Todesopfer, v. a. unter den „Liquidatoren“; die meisten sind mittlerweile gestorben.

 

Wenn auch die genaue Zahl der Todesopfer nie zu bestimmen sein wird, so kam der TORCH -Bericht (The Other Report on CHernobyl) jedoch vor fünf Jahren zum Ergebnis, das Hunderttausend Menschen erkrankten und Zehntausend starben oder sterben werden.

 

Und jetzt ist Fukushima so schlimm wie Tschernobyl: Stufe 7 - letzte Stufe in der Skala der Störfälle! Von Stufe zu Stufe vergrößert sich der potentielle Schaden durch einen Reaktorunfall um das Zehnfache. Umstritten bleibt das Ausmaß der Katastrophe. Die Evakuierungszone ist wie bei Tschernobyl auf 30 km ausgeweitet worden. Die Gegend um Fukushima ist jedoch im Gegensatz zu Tschernobyl äußerst dicht besiedelt.

 

Es wird noch viele Monate dauern, bis die Reaktoren und Abklingbecken abgedichtet sind. Wenn  wir Glück haben!

Nie wieder Tschernobyl! hieß es vor 25 Jahren – auch bei einigen Politikern der bürgerlichen Parteien. Dann besannen sich die politisch Verantwortlichen schnell eines anderen. Und jetzt?

 

Die schwarz-gelbe Regierunghatden rotgrünen Atomkonsens im letzten Herbst ruiniert. Wegen Fukushima und weil 80 % der WählerInnen einen früheren Atomausstieg wollen, macht sie jetzt einen Schwenk zurück. Das ist gut so. Über die genauen Modalitäten und Kosten gibt es keine Einigung, wohl aber verwirrende Zahlen über enorme Kosten, die die Menschen verunsichern. Auch ist zu befürchten, dass die Atom-Lobby Druck auf die Planungen ausübt. Dabei belegen zahlreiche Studien: ein Wechsel zu sauberer Energie ist technisch und finanziell nachhaltig für Deutschland.
Tschernobyl damals und Fukushima heute sollten uns eine Warnung sein.



Wir Grünen setzen uns vehement für das Abschalten aller Atomkraftwerke ein – mit einem verbindlichen Ausstiegstermin! Wir fordern einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energiequellen, ambitionierte Effizienzziele und  den Stopp neuer Kohlekraftwerke. Dann würde Deutschland eine Vorbildposition im Klimaschutz einnehmen und könnte Spitzenreiter bei den erneuerbaren Energien werden. Das würde zum Aufbau einer zukunftsbeständigen Wirtschaft beitragen, die weniger anfällig gegen Gas- und Ölpreisschocks ist und viele Jobs schafft.

 

imw


Mit einer Ausstellung „Straße der Enthusiasten“ zeigt die Heinrich-Böllstiftung ab 12.4.2011 die Geschichte der Stadt Prypyat, die 1970 für die Belegschaft des Kernkraftwerks Tschernobyl eingerichtet wurde und 4 km vom Reaktor entfernt ist. Die Ausstellung, die zwischen Berlin, Kiew, dem Wendland und dem Oberrhein tourt, verdeutlicht die Dimension der Katastrophe im Kontext von unbedingtem Fortschrittsglauben und „enthusiastischer Industrialisierung“.