S21 - eine ökologische Mogelpackung

Der CDU-Stadtverband hat am im letzten GAZ viele falsche Behauptungen aufgestellt. Ist das bewusst geschehen?

Es beginnt schon mit der Überschrift: „Nein zu 175 000 Tonnen CO2 – Nein bei der Volksabstimmung“. Diese bezieht sich auf das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, also sowohl die Tieferlegung des Bahnhofs (S21) als auch die Neubaustrecke (NBS) Wendlingen-Ulm. Die Volksabstimmung betrifft aber nur S21.

Weiter steht im Artikel: „Untersuchungen haben ergeben, dass allein der Bau von S21 zu einer Verlagerung von rund 1 Mrd. PKW-Kilometer pro Jahr von der Straße auf die Schiene und zu einer Ersparnis von 175.000 t CO2 führen wird. Hier wird aus der Broschüre der Befürworter „21 gute Gründe für S21“ zitiert; unterZiff. 19 steht aber: „Untersuchungen haben ergeben, dass das Bahnprojekt (S21 und NBS) zu einer Verlagerung von rund 350 Mio PKW-km von der Straße …. und 70 000 Tonnen CO2 ….führen wird“. Da hat die Gerlinger CDU wohl einiges drauf gelegt.

 Für die CDU ist das Bahnprojekt, so ist zu lesen, ein „ökologisches Vorzeigeprojekt“.

Daraus ergibt sich die Frage: Welche Ökobilanz hat denn S21? 

Eine vollständige Ökobilanz setzt voraus, dass alle Aufwendungen, die zur Planung, zum Bau eines Projekts und zu seinem ständigen Betrieb erforderlich sind, erfasst werden, d. h. alle Schäden, die der Bau und der Betrieb anrichten - also auch den Abriss von Gebäuden oder Gleisanlagen. Diese Einzelposten werden aufgelistet – in Form von Energiemengen oder als Treibhausgasemissionen, die durch den Energie- und Materialeinsatz entstehen oder indirekt freigesetzt werden; 300 gefällte große Parkbäume z. B. verarbeiten kein Kohlendioxid mehr.

Da kommt allein für S21 eine Menge zusammen:

  • In der Bauzeit fahren etwa 1 Million Lkw die Baustelle an und erzeugen 92.000 Tonnen CO2.
  • 8 Millionen cbm Abraum aus den Baugruben und Tunnelröhren müssen abtransportiert werden Und später noch mehr, wenn das gesamte Gleisvorfeld beseitigt werden sollte, um die schöne neue Immobilienwelt entstehen zu lassen.
  • 1,5 Millionen cbm Beton müssen herangeschafft werden;  die erforderlichen Lastwagen, Bagger, Kräne, Tunnelbaumaschinen, Wasserpumpen  u. a. verschlingen über mehr als ein Jahrzehnt gewaltige Mengen an Kraftstoff und Strom.
  • Allein der Bau von 66 km Tunnel produziert 800.000 Tonnen CO2.
  • Nah- und Regionalverkehr, Gleisanlagen und Züge werden eingeschränkt statt ausgebaut. Resultat? Mehr CO2!
  • Züge brauchen im Tunnel und bei steilen Anstiegen mehr Energie, der CO2-Ausstoß steigt.
  • Der Betrieb eines Tiefbahnhofs benötigt sehr viel mehr Strom als ein offener Kopfbahnhof für Lüftung, Aufzüge, Rolltreppen – ebenso die Belüftung der Tunnels.
  • Viele große Bäume werden gefällt. Jüngere Bäume können längst nicht so viel CO2 aufnehmen und binden auch weniger Feinstaub. Das bedeutet jedes Jahr 250.000 kg mehr Feinstaub! Bis neu gepflanzte Bäume in etwa dieselbe Menge an Kohlendioxid aufnehmen vergeht etwa ein Jahrhundert.
  • Teile des mittleren Schlossgartens werden zerstört mit negativen Folgen für das Stadtklima und Gefährdung der Mineralquellen.

 S21ein „ökologisch Vorzeigeprojekt“? Das zu behaupten ist Etikettenschwindel. Das Projekt ist vielmehr eine ökologische Mogelpackung ersten Ranges!

 

Abschließend noch eine Ergänzung zum Artikel: Bei einer Modernisierung des Kopfbahnhofs werden auch 75 ha Fläche frei und können für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung verwendet werden.