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Gedenken in Gerlingen

Der Monat November ist ein Monat der schwierigen Gedenk- und Feiertage. Der Volkstrauertag, der Buß-und Bettag und der Totensonntag, an all diesen Tagen wird je nach Glaubenszugehörigkeit oder persönlicher Betroffenheit an Menschen gedacht, die verstorben sind oder durch Gewalt ums Leben kamen. Der 9. November ist ein weiterer Gedenktag im November, der alle Deutschen betrifft und der 9. November 1938, die Reichspogromnacht wird immer wieder als Schicksalsnacht der Deutschen betitelt. In unserem beschaulichen Gerlingen scheinen diese Themen oft weit weg.

Aber auch hier werden Menschen betrauert, die ihr Leben im Krieg verloren haben oder von den Nazis ermordet wurden, weil sie nicht in das System passten und den Vorstellungen von deutsch, arisch und gesund oder normal nicht entsprachen. Johanna Schweizer wurde 1873 in Gerlingen geboren und war die erste Gerlinger Handarbeitslehrerin. Im Dezember 1931 wurde sie vermutlich wegen einer Depression in die Heilanstalt Weißenau eingewiesen. Am 10. Juni 1940 wurde sie in die Tötungsanstalt Grafeneck überstellt und noch am selben Tag getötet. Sie wurde Opfer der Aktion T4, dem Massenmord an mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. In der Weilimdorfer Straße 9 vor dem Stadtmuseum wurde von dem Kölner Künstler Gunter Deming am 13. März 2008 ein Stolperstein für Johanna Schweizer angebracht, an der Wand des Museums befindet sich eine Gedenktafel.

In Gerlingen gibt es bis heute nur einen Stolperstein. Bleibt die Frage, ist hier wirklich nur eine Gerlinger Mitbürgerin dem organisierten Massenmord zum Opfer gefallen? Eine Aufgabe für unsere Gesellschaft ist und bleibt es auf jeden Fall dafür zu Sorgen, dass alle Menschen sich hier wohl und sicher fühlen können. Jede:r kann seinen Teil dazu beitragen, sowie es seinen Fähigkeiten entspricht, aber es ist unsere Aufgabe, diese Demokratie zu schützen und für ihre Werte einzutreten. Jeden Tag und immer wieder. Die grüne Politik steht für eine liberale Gesellschaft und die Achtung der Menschenwürde.

Monja Sales Prado

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